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Die Kraft des Subtilen – Zeitlose Kristallgläser von Lobmeyr

Seit 1823 bewegen die stilprägenden Glaswaren von J. & L. Lobmeyr die Kunst- und Designwelt. Das Familienunternehmen aus Wien fertigt bereits in sechster Generation hauchdünnes, bleifreies Kristallglas von bemerkenswerter Stabilität. Dabei arbeitet das Haus mit bedeutenden Gestaltern und Denkern zusammen, um ihr Handwerk voranzutreiben und mit ihrem Stil immer neue Wege zu gehen. Entdecken Sie bei Artedona die unwiderstehliche Strahlkraft der zarten Kristall-Ikonen dieses österreichischen Traditionshauses.

J. & L. Lobmeyr - Eine Familie schreibt Designgeschichte

Josef Lobmeyr eröffnete 1823 im Herzen Wiens ein kleines Geschäft für Glaswaren. Mit feinem Gespür für Form und Wirkung schuf der Meisterglaser prächtige Kristalllüster und elegante Trinkgläser, die sich bewusst von den dickwandigen, reich verzierten böhmischen Gläsern ihrer Zeit abhoben. Statt opulenter Schwere setzte Lobmeyr auf Leichtigkeit, Klarheit und eine neue Form von Eleganz. Damit traf er früh den Geschmack einer anspruchsvollen Kundschaft: Unter der Leitung der nächsten Generation entwickelte sich das Unternehmen zunächst zum Hofglaswarenhändler der Habsburger und belieferte später Adels- und Herrscherhäuser in aller Welt.

Die Verbindung aus handwerklicher Meisterschaft und dem Sinn für neue Strömungen machte Lobmeyr zu einem prägenden Akteur der Designgeschichte.

  • 1883 präsentierte Lobmeyr den ersten elektrischen Kristalllüster mit Edisonlampen, der die damals noch extern geführten Stromkabel geschickt entlang der Kronleuchterarme versteckte.
  • Um 1900 knüpfte das Haus enge Verbindungen zu Künstlern der Wiener Werkstätte wie Josef Hoffmann. So wurde Lobmeyr zu einer Schlüsselfigur der als Wiener Modernde bekannten Kulturströmung, die sich durch ihren Fokus auf Schlichtheit und handwerkliche Qualität radikal vom vorherrschenden Jugendstil unterschied.
  • 1925 erhielt Lobmeyr den Grand Prix der Weltausstellung in Paris für seine radikal neuen Glasserien von Gestaltern wie Oswald Haerdtl und setzte damit wichtige Impulse für den Stilwandel vom Jugendstil zum Art Déco.
  • In den 1960er Jahren entwarf Hans Harald Rath die "Starburst"-Kronleuchter für die Metropolitan Opera in New York. Auch unter dem liebevollen Spitznamen "Sputnik" bekannt, gelten sie seitdem als Stilikonen des Mid-century Modern Stils und schmücken als Wahrzeichen des Opernhauses prominent das Foyer.

So fein wie Stoff – Musselinglas von Lobmeyr

Das hauchdünne Kristallglas von Lobmeyr trägt den poetischen Namen Musselinglas. Der Begriff leitet sich von Musselin ab, jenem halbdurchsichtigen, feinen Stoff, der im 19. Jahrhundert fast so kostbar war wie Seide. Genau diese Leichtigkeit und Zartheit zeigt auch das Glas. Es entsteht in präziser Handarbeit, die höchste Konzentration und Erfahrung verlangt – eine Meisterleistung, die nur die erfahrensten Glasbläser beherrschen.

Die hohe Qualität von Musselinglas zeigt sich sofort. Die Gläser wirken raffiniert, leicht und elegant. Sie liegen angenehm in der Hand und lassen sich mühelos halten, ob beim Aperitif im Stehen oder beim Einschenken aus einer gefüllten Karaffe. Ihre hauchdünne Wandstärke von nur etwa einem Millimeter verleiht ihnen eine feine Elastizität und damit eine überraschende Stabilität.

Ikonen in Serie – Die Trinkglas-Kollektionen von Lobmeyr

So pragmatisch wie die Entwürfe sind bei Lobmeyr auch die Namen vieler Kollektionen. Statt klangvoller Fantasietitel trägt ein Großteil der Glasserien schlichte, fortlaufende Nummern. Gerade darin zeigt sich die Haltung des Hauses: Der Fokus liegt nicht auf Inszenierung, sondern auf Form, Funktion und gestalterischer Klarheit. Hinter den nüchternen Bezeichnungen verbergen sich Entwürfe, die Designgeschichte geschrieben haben und bis heute faszinieren und begeistern.

Die Glasserie No. 4 Rothschild Sterne ist ein Meilenstein der modernen Glaskunst. 1856 von Ludwig Lobmeyr entworfen, bricht die Serie bewusst mit der Opulenz ihrer Zeit und setzt auf klare, reduzierte Formen. Das Weinglas gilt heute als Ursprung des modernen Weinglases. Das später ergänzte Sternendekor verbindet diese stilistische Pionierleistung mit einer feinen Handgravur.

Die Glasserie No. 267 Alpha steht sinnbildlich für die funktionale Eleganz der Nachkriegsmoderne. 1952 von Hans Harald Rath für den "jungen Haushalt" entworfen, wirken die weich gerundeten, stapelbaren Formen ikonisch und alltagstauglich zugleich. Trotz ihrer zarten Anmut ist die Serie aus mundgeblasenem Musselinglas bemerkenswert robust. In der bunten Variante umspielen zarte Farben die Silhouetten der Gläser und Karaffen.

Die Glasserie Hoffmann - Serie B ist ein Schlüsselentwurf der frühen Moderne. 1912 in Zusammenarbeit mit dem Architekten Josef Hoffmann entworfen, entstand mit dieser Serie eine neue, architektonische Formensprache für das Glashandwerk. Charakteristisch sind die schwarzen Längs- und Querstreifen auf mattiertem Kristall, die mit Rhythmus, Struktur und grafischer Strenge alle Blicke auf sich ziehen.

Die Bonbonnieren Kugel in Klar wurden 1925 von Oswald Haerdtl entworfen und zählen zu den poetischsten Objekten des Hauses. Aus hauchdünnem, mundgeblasenem Musselinglas gefertigt, scheinen die kugelrunden Dosen förmlich über ihren feinen Stielen zu schweben. Ihre klare Geometrie und der tropfenförmige Griff verleihen ihnen jene fließende Anmut, die den Art déco als Stilrichtung definiert.