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Lebende Europäische Geschichte – Kristall von Saint-Louis

In einem kleinen Tal, umzingelt von dichtem Wald, liegt die französische Gemeinde Saint-Louis-lès-Bitche. Der verschlafene Ort lässt auf den ersten Blick nicht erahnen, dass hier in jahrhundertealter Tradition das Kristallglas der Könige hergestellt wird.

Findige Glasmacher bauten die erste Glashütte bereits 1586 im damals als Münzthal bekannten Gebiet. Das Tal in den Nordvogesen mit seinen dichten Wäldern bot ihnen alles, was sie zur Glasproduktion brauchten. Der dreißigjährige Krieg zwang sie jedoch dazu, die Produktion wieder einzustellen.

1767 hauchte König Louis XV der Glashütte per königlichem Erlass neues Leben ein. Er ließ sie wiederaufbauen und gab ihr zu Ehren von König Louis IX den Namenszusatz „Saint-Louis“ – die Verrerie Royale de Saint-Louis war geboren.

Vom Glas zum Kristall

Kurz darauf kam der unglaubliche Erfolg: Dank der Bemühungen des damaligen Geschäftsführers M. de Beaufort schaffte es die königliche Glashütte 1781, Bleikristall herzustellen – als erste Manufaktur auf dem europäischen Festland überhaupt. Bis dahin hatte England das Monopol auf das begehrte „Kristall“ gehabt und die Rezeptur natürlich streng geheim gehalten.

Für diese Errungenschaft wurde Saint-Louis als erste Stätte Frankreichs der Titel „Cristallerie“ verliehen. Nachdem Saint-Louis ab 1825 nur noch Bleikristall herstellte, begann der Aufstieg zur industrieführenden Innovationsschmiede. Die Manufaktur erfand und perfektionierte neue Schliffe, entwarf immer gewagtere Formen und Farben und meldete ein Patent nach dem anderen an.

1834 revolutionierte Saint-Louis gar die „Art de la table“ mit der Idee, für verschiedene Getränke unterschiedlich geformte Gläser zu verwenden – bis heute eine Selbstverständlichkeit, nicht nur in der gehobenen Gastronomie.

Kulturelles Erbe trifft Innovation - Eine neue Ära

Die Cristallerie Saint-Louis gehört seit 1995 zur renommierten französischen Hermès-Gruppe. Der Zusammenschluss gab Saint-Louis die Möglichkeit, Designs aus vergangenen Jahrhunderten wie Thistle und Tommy wiederaufleben zu lassen. Neue Glas-, Licht- und Deko-Kollektionen kann Saint-Louis nun in Zusammenarbeit mit Künstlern und Designern wie Hervé van der Straeten, Noé Duchaufour-Lawrance und Paola Navone erschaffen.

Seit 2007 können Besucher im hauseigenen Museum „La Grande Place“ die bewegte Geschichte der Cristallerie Saint-Louis nacherleben. Das postmodern gestaltete Museum ist in das historische Manufakturgelände integriert; auf mehreren Etagen werden über vier Jahrhunderte der Glasproduktion wieder zum Leben erweckt.

Die hohe Kunst der Kristallherstellung

Die Glasindustrie unterscheidet zwischen der Glasherstellung und der Glasveredlung. In der Cristallerie Saint-Louis geht beides Hand in Hand: Die Manufaktur teilt sich in zwei miteinander verbundene Produktionsstätten auf, das „heiße“ und das „kalte“ Atelier. In beiden beschäftigt Saint-Louis einige der besten Kunsthandwerker Frankreichs.

Im heißen Atelier muss alles schnell und präzise ablaufen: Glasmacher schmelzen die Zutaten für ihr Kristall bei 1450° C. Glasbläser formen glühend heiße Glasklumpen mit Glaspfeifen und hölzernen Formen zu Hohlkörpern. Facharbeiter bearbeiten in Windeseile die Rohlinge, bis sie ihre endgültige Form erreichen. Jeder Handgriff sitzt wie in einer lebendigen Maschine, deren Zahnräder perfekt ineinander greifen.

Während im heißen Atelier jede Sekunde zählt, ist im kalten Atelier Geduld gefragt. Schleifer, Polierer und Graveure streben beim Veredeln auf absolute Perfektion, um die kostbaren Rohlinge nicht zu beschädigen. Beim finalen Polieren besteht die höchste Bruchgefahr. Besonders zeitaufwendig ist die Arbeit, Verzierungen aus Gold und Platin per Hand und Pinsel auf fein ins Glas geätzte Muster aufzutragen. Erst nach einer strengen Qualitätskontrolle bekommt jedes Stück seine Signatur.

Die Stilikonen von Saint-Louis

Die enorm aufwendige Handarbeit macht jedes Objekt aus der französischen Kristall-Manufaktur zum Unikat. Einzigartig sind auch die selbstbewussten Designs des Hauses: egal ob Jugendstil, Art Déco oder Postmoderne, die DNS von Saint-Louis bleibt durch die Jahrhunderte unverkennbar.

Der Katalog von Saint-Louis ist gefüllt mit zeitlosen Stilikonen. Klassisch-opulente Entwürfe wie Thistle von 1913 und Apollo von 1979 stehen im Einklang mit modern-geometrischen Designs wie Bubbles von 1992 und Oxymore von 2012.

Die 2018 vorgestellte Kollektion Folia des Designers Noé Duchaufour-Lawrance umfasst neben Trinkgläsern auch Lampen und Möbelstücke, die kaltes Glas und warmes Holz miteinander verbinden – der Beginn eines neuen Kapitels in der langen Geschichte von Saint-Louis.

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